Familien in der Krise: Bildung und Betreuung müssen endlich an erster Stelle stehen!

Familien in der Krise

„Jetzt ist doch alles normal, die Kinder können wieder zur Schule gehen“. So oder so ähnlich haben wir es bereits öfter gehört. Klar, woher sollen auch Arbeitskollegen und Freunde ohne Kinder im Schul- oder Kita-Alter wissen, dass für die meisten Familien hier in Bayern noch kaum etwas normal läuft! Ja, dass sich Familien in der Krise befinden. Und dass so viele Eltern – vor allem diejenigen, die ein modernes Familienbild leben – am Ende ihrer Kräfte sind. Darunter leiden vor allem die Kinder!

Stark eingeschränkter Präsenzunterricht

Fakt ist, dass die Schulzeiten der Kinder in Bayern immer noch sehr stark eingeschränkt sind. Das liegt daran, dass die Klassen, um den nötigen Mindestabstand einhalten zu können, geteilt sind. Unser Großer darf zwei feste Tage in der Woche in die Schule, dazu noch jeden zweiten Mittwoch. Andere Kinder gehen im wöchentlichen Wechsel zur Schule. So oder so kommen die meisten Grundschüler gerade einmal auf 10 Wochenstunden Präsenzunterricht. Vor Corona wurde beispielsweise mein Großer (2. Klasse) 24 Stunden pro Woche in der Schule unterrichtet. Im Moment findet also nicht einmal die Hälfte des Unterrichts in der Schule statt! Die restliche Zeit sind die Kinder zuhause im Homeschooling.

Familien fehlt immer noch eine dauerhafte Perspektive

Für Kinder bedeutet dies, dass sie bis zu den Sommerferien weiterhin über die Hälfte der Schulzeit zuhause lernen müssen. Manche werden dies tun. Sie sind pflichtbewusst, haben ein sozial starkes Elternhaus und können mit der Gesamtsituation gut umgehen. Viele Kinder können dies aber nicht! Und dazu zählen ganz sicher nicht nur Kinder aus sozial schwächeren Haushalten. Sondern auch Kinder, die das psychisch so nicht mehr schaffen. Kinder, denen komplett die Motivation fehlt. Kinder, die sich bereits seit März zuhause langweilen, während die Eltern im Homeoffice sitzen. Kindern, denen von heute auf morgen ihr ganz normaler, halt-gebender Alltag genommen wurde.

Von „Arbeitsblätter-Allergie“ über Verhaltensauffälligkeiten bis hin zur wachsenden sozialen Schere

Die massiven Auswirkungen (mache nennen sie ganz emotionslos Kollateralschäden) der „Kinder-Zuletzt-Politik“ in Zeiten der Coronakrise werden wir noch lange Schultern müssen. Die inzwischen unter Schülern weit verbreitete „Arbeitsblätter-Allergie“ bekommen wir vielleicht wieder in den Griff. Entstandene Verhaltensauffälligkeiten und die jetzt schon klar vorhandene ungleiche Chancenverteilung werden uns sicher über Jahre beschäftigen. Je länger es keine vernünftigen Konzepte für Schulen und Kitas gibt, desto größer werden die Schäden sein. Bildungslücken, psychische Schäden und soziale Ungleichheit wachsen von Tag zu Tag!

#familieninderkrise: Was wir Eltern jetzt tun können

Uns Familien fehlt die Lobby. Dies dürfte inzwischen jedem klar sein. Sonst wäre solch eine Aussage in einem Artikel der Zeit online wie, „Schulen, Kindergärten und Kitas sind Kontaktpunkte von vielen Familien, die ohne direkten wirtschaftlichen Schaden schnell geschlossen werden können.“ zu den Schul- und Kitaschließungen im Kreis Gütersloh von Prof. Henneke sicher nicht gefallen.

Mit den Familien kann man es ja machen… oder sollte ich eher sagen mit den Müttern? Aber nein, Mutti (und auch Vati) lassen sich nicht mit 300 Euro Bonus pro Kind abspeisen! Wir Familien wollen uns nicht mehr länger durch unklare Perspektiven, leere Versprechungen und Durchhalteparolen hinhalten lassen. Denn jetzt sind die Infektionszahlen hier in Bayern niedrig. Das ist ja die Begründung für die Kita-Öffnungen zum 1. Juli (im eingeschränkten Regelbetrieb). Warum müssen Schüler dann bis zum Herbst warten? Dafür gibt es einfach keine Erklärung. Und ja. Selbstverständlich gehen die Schulen im Herbst nur in den Regelbetrieb, wenn das Infektionsgeschehen es zulässt. Sonst gibt es weiter schichtweise Unterricht oder wieder gar keinen Präsenzunterricht. Sinnvolle, nachhaltige und für alle (damit meine ich Kinder, Eltern und Lehrer) tragbare Konzepte für Schulen und Kitas bei steigenden Infektionszahlen gibt es immer noch nicht! Das zermürbt! In der Corona-Krise sind nicht alle gleich. Biergarten und Bundesliga sind wichtiger als Betreuung und Bildung. Das ist unfassbar! 

Unterschreibt jetzt die Petition von Familien in der Krise für eine verlässliche Bildungs- und Betreuungssituation!


Kommt zur Demo initiiert von Familien in der Krise in München

Aber Jammern und Lamentieren hilft uns Eltern nicht. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich vor ein paar Tagen auf die Initiative #familieninderkrise gestoßen bin! Denn diese fordern genau das, was auch ich für sinnvoll halte und sagen:

„Familien sind systemrelevant!! Liebe Regierungspolitiker in Bayern, gebt Kindern dauerhaft (!) ein kindgerechtes Lernumfeld und ihre sozialen Kontakte zurück! Gebt uns Eltern dauerhaft (!) die Möglichkeit unsere Jobs zu tun und Geld für unsere Familien zu verdienen! Stattet Schulen aus: vom Warmwasseranschluss bis zum Digitalkonzept. Packt es endlich an! Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Die kompletten Forderungen von Familien in der Krise der Landesgruppe Bayern findet ihr in dieser PDF. Wenn ihr euch auch nicht länger mit der aktuellen Bildungspolitik abfinden wollt, dann kommt zur nächsten Demo am 4. Juli in München!

Demo München Familien in der Krise

Über Familien in der Krise:

Familien in der Krise ist ein Bündnis aus überparteilich engagierten Eltern, die Kinder und Familien ins Zentrum politischer Entscheidungen rücken wollen. Sie haben mit vielen Aktionen bereits Aufmerksamkeit bei Politik und Presse erzeugt: mit Demonstrationen, Petitionen und offenen Briefen. Auch haben sie bereits mit Politiker:innen auf Bundes- und Landesebene Gespräche geführt.

Ich habe übrigens vor so ziemlich genau 3 Monaten bereits über die Diskriminierung von Eltern während der Corona-Krise geschrieben. Und was hat sich getan? Dank der sehr guten Entwicklung des Infektionsgeschehens dürfen alle Kita-Kinder ab 1. Juli wieder in die Kita sowie Schulkinder stark eingeschränkt zur Schule. Konzepte für eine eventuelle zweite Welle gibt es auch nach 3 (!) Monaten Corona weder für Schulen noch Kitas. Lediglich einen Szenarioplan mit 4 Stufen hat das Kultusministerium für das nächste Schuljahr entwickelt! Konzepte sind wohl nach wie vor nicht vorgesehen.

Wie geht es euch, wenn ihr an den kommenden Herbst denkt? In welcher Form wünscht ihr euch Unterstützung seitens der Politik?

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