Stoppt die Diskriminierung von Müttern und Vätern in der Corona-Krise!

Diskriminierung während Corona stoppen

Update vom 03.07.2020:
Inzwischen dürfen Kinder wieder tageweise in die Schule und die Kitas sind im eingeschränkten Regelbetrieb. Im Vergleich zu den weitreichenden Lockerungen in vielen anderen Bereichen ist das für Familien sehr wenig. Vor allem da nach wie vor sinnvolle, langfristig tragbare Konzepte für Familien fehlen. Seit Mai gibt es eine tolle Initiative „Familien in der Krise„, die für die Belange von uns Familien eintritt! Wenn ihr mitwirken wollt, wendet euch gerne direkt an FiDK Bayern.

Die allermeisten Eltern reiben sich seit über drei Wochen zwischen Beruf und Kinderbetreuung auf. Es gibt unzählige Tipps, wie wir Eltern es schaffen können, im Homeoffice zu arbeiten und gleichzeitig unsere Kinder zu betreuen. Ich habe selbst ein paar Tipps für das Arbeiten mit Kindern im Homeoffice gegeben. Und ja. Es geht. Irgendwie. Für eine begrenzte Zeit und mit vielen, vielen Abstrichen! Diese sind auch finanzieller Natur.

Da kamen die Regelungen im § 56 Abs. 1a des Infektionsschutzgesetz für viele Eltern – insofern sie das überhaupt mitbekommen haben – wie gerufen. Denn unter bestimmen Voraussetzungen haben Eltern, die während der Corona-Pandemie ihre Kinder selbst betreuen müssen, einen Entschädigungsanspruch.

Und da kommt nun der Punkt, mit dem ich ein riesiges Problem habe: Nach der Gesetzesbegründung soll Arbeit von Zuhause als „zumutbare Betreuungsmöglichkeit“ gelten. (Quellen: mamameeting.de und lvr.de)

Hey Leute, das ist doch wohl ein Witz! Zumindest für Eltern und ganz besonders für Alleinerziehende! mit Kindern im Kita- und Grundschulalter. Was ist das denn für ein Hammer für alle Eltern, die sich zu Normalzeiten bereits zwischen Beruf und Familie aufreiben? Wie demotivierend ist es für diejenigen, die sonst schon am Rande der Belastbarkeit agieren und kaum mehr Zeit für sich, ihre Partner oder Hobbies haben?!

Diese Gesetzesbegründung impliziert so viel.

Diese Festlegung sagt aus, dass Eltern im Homeoffice nicht unbedingt eine Kinderbetreuung brauchen. Es bedeutet, dass Kinder so nebenbei mitlaufen. Vielleicht sollten wir zukünftig bei der Vergabe der Kinderbetreuungsplätze danach unterscheiden, wo die Eltern berufstätig sind – und damit einen großen Schritt rückwärts in Sachen New Work und Gleichberechtigung gehen! Ist Deutschland wirklich so rückständig?

Für problematisch halte ich diesen Satz auch, da er offiziell bestätigt, dass das Arbeiten mit Kind(ern) zuhause für alle schaffbar sein muss. Und wer das nicht auf die Reihe bekommt, ist wohl nicht fleißig genug oder hat gar seine Kinder nicht im Griff?! Wie viele Eltern setzt diese Aussage unnötig unter Druck? Und wie viele werden an dieser Aufgabe verzweifeln? Diese Krise fordert momentan von jedem Opfer. Doch die Diskriminierung von Müttern und Vätern im Homeoffice muss nun wirklich nicht sein.

Und dann wäre da noch die Wertschätzung der Erziehungsarbeit. Diese ist damit vollkommen zunichte gemacht. Denn wenn wir alle mal so neben der Arbeit unsere Kinder zuhause betreuen könnten, dann bräuchten wir wohl auch keinen Kitaausbau mehr, oder?

Ach ja, da wären dann natürlich noch die Kinder selbst. Auch sie werden mit diesem Satz unwürdig behandelt. Denn verlangt wird im Prinzip, dass sich auch Kita- und Grundschulkinder tagtäglich mehrere Stunden selbst beschäftigen. Und das in einer Ausnahmesituation, die für viele Kinder sehr belastend ist. Von heute auf morgen können sie nicht mehr mit ihren Freunden spielen, bekommen keine Wertschätzung mehr von ihren Vertrauenspersonen (wie Lehrer, Erzieher, Vereinstrainer), dürfen nicht mehr zur Schule gehen und spüren vielleicht die Unsicherheit der Eltern.

Wir ihr merkt, werde ich bei diesem Thema teilweise ungewöhnlich sarkastisch. Das liegt daran, dass mich diese Diskriminierung von Müttern und Vätern tierisch aufregt. Aber glaubt mir, auch für mich steht der gesundheitliche Schutz aller Menschen an oberster Stelle. Die aktuellen Maßnahmen und Einschränkungen sind wichtig und richtig. Es wäre absolut unverantwortlich Kitas und Schulen zum jetzigen Zeitpunkt der Pandemie für alle zu öffnen! Uns Eltern bleibt nur die Betreuung der Kinder zuhause. Und genau deshalb sollte der Staat gerade uns Mütter und Väter besonders wertschätzen und unterstützen. Denn wir kümmern uns um die Zukunft unserer Gesellschaft, die Kinder!

Das hilft Müttern und Vätern jetzt.

Da Meckern und Jammer keinem hilft, hier meine konkreten Vorschläge für sinnvolle Veränderungen:

Einheitlicher digitaler Unterricht

Ein einheitlicher digitaler Unterricht entlastet Eltern mit Schulkindern. Aber natürlich nur, wenn die Voraussetzungen hierfür seitens der Länder vorab geschaffen werden. Um dieses Thema voranzutreiben, haben Inken & Charlotte eine Online-Petition ins Leben gerufen. Die Forderung: Digitaler Unterricht bei langfristigen Schulschließungen – sofort und einheitlich!
Ich finde diese Forderung sehr sinnvoll. Wenn ihr das auch so seht, unterschreibt bitte die Petition unter: Sofortige Digitalisierung der öffentlichen Schulen!

ODER

Schluss mit der Fernbeschulung

Mir ist klar, dass ein einheitlicher digitaler Unterricht für alle nicht von heute auf morgen umsetzbar sein wird. Deshalb hilft es sicher vielen Eltern, wenn das Lernen keine Pflicht ist. Für mich ist das aber nur Plan B. Wichtiger finde ich auf jeden Fall, die Digitalisierung voranzutreiben. Dennoch: Zum Thema „Schluss mit der Fernbeschulung“ gibt es ebenso eine Petition unter: Schluss mit der Fernbeschulung!

Entschädigungsanspruch für den Verdienstausfall aufgrund der fehlenden Kinderbetreuung für alle Betroffenen

Arbeit von zuhause darf nicht als zumutbare Betreuungsmöglichkeit gelten. Punkt. Denn ohne diese Einschränkung hätten viel mehr Mütter und Väter einen Anspruch auf die Entschädigung. Gleichzeitige Betreuung von zumindest Kita- oder Grundschulkindern und konzentriertes Homeoffice sind nicht möglich. Ganz besonders unzumutbar ist das in Ausnahmesituationen und über einen längeren Zeitraum!

Sinnvolle Konzepte zur Öffnung von Kitas und Grundschulen

Die Kitas bleiben auf unbestimmte Zeit zu. Das geht auf Dauer nicht! Eltern ist es nicht zuzumuten, dauerhaft in Schichtarbeit zu arbeiten. Zudem sind Kinder im Moment die einzige Gruppe, die faktisch keinen Kontakt zu anderen haben kann. Denn kleinere Kindern können sich nicht alleine mit einem anderen Kind im Freien treffen!

Ich finde, wir sollten es nicht einfach hinnehmen, dass die Eindämmung des Virus auf Kosten der Kinder und Eltern ausgetragen wird. Wir betreuen unsere Kinder selbst, unterstützen unsere Schulkinder zuhause und arbeiten oft zusätzlich noch im Homeoffice. Diese enorme Leistung der Familien wird als selbstverständlich angesehen. Mit der Umsetzung werden wir weitestgehend alleine gelassen – ohne Aussicht auf Änderung. Das ist frustrierend und ernüchternd.

Folgende Petitionen setzen sich für unsere Kinder ein:

Kinder brauchen Kinder: Öffnung der Kindertagesstätten und Grundschulen

Bayern: ALLE Kinder sind systemrelevant – gebt ihnen und ihren Eltern eine Perspektive #corona

Bundesweite Erstattung der Kitagebühren während der Schließungen

In einigen Bundesländern und Städten steht bereits fest, dass die Kita-Gebühren erstattet werden. Eine einheitliche Regelung hierfür gibt es bisher nicht. In diesem Artikel aus dem Handelsblatt gibt es eine kleine Übersicht: Beitragsbefreiung: Wer in der Coronakrise noch Kitagebühren zahlen muss. (Stand 2. April 2020).

Update: 20.04.2020
Auch in Bayern ist inzwischen die Erstattung der Kitagebühren seitens der bayerischen Staatsregierung erstmal für die nächsten drei Monate geregelt. Dieser Entschluss kommt hier aber vergleichsweise spät. Klar ist zudem nicht, was mit den bereits bezahlten Beiträgen von Mitte März bis Ende April geschieht.

Ich bin mit diesen Gedanken zum Glück nicht alleine. Ebenfalls lesenswert sind folgende Beiträge und Diskussionen.

Wie denkt ihr darüber, dass Homeoffice als „zumutbare Betreuungsmöglichkeit“ gilt? In welcher Form wünscht ihr euch Unterstützung?

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Ich freue mich auf euch!

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Comments

    • Petra Quilitz
    • 8. April 2020
    Antworten

    Hallo Nadja, vielen Dank für diesen Artikel. Ich fand deinen Blog vorher schon super, und jetzt noch viel mehr. Es geht einfach nicht, 8 Stunden zu Hause zu arbeiten und gleichzeitig Kind/er zu betreuen. Warum werden allen Hilfsgelder angeboten, nur die Eltern die um ihren Job bangen (und viele auch verlieren) weil sie die 8 Stunden nicht schaffen bekommen gar nichts. Kann irgendwie nicht stimmen.

      • Nadja
      • 8. April 2020
      Antworten

      Hi Petra, danke für deinen Kommentar und das Lob 😊. Ich glaube wir Eltern haben kaum eine Lobby. Und oft auch einfach nicht die Zeit, uns zu wehren. Ich meist auch nicht. Wir haben ja eh schon so viel um die Ohren. Ich hoffe, dass dieser Artikel zumindest ein bißchen auf uns aufmerksam macht. Vlg, Nadja

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