Achtsam durch den Familienalltag: Wie geht das eigentlich?

Achtsamkeit im Familienalltag
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Die neue Wunderwaffe der Erziehung heißt Achtsamkeit. Zumindest suggerieren uns dies viele Pädagogen, Buchautoren und Erziehungsexperten. Doch was auf den ersten Blick wie ein Zauberwort klingt, ist eigentlich gar nicht so mystisch. Die Prinzipien der Achtsamkeit sind logisch und lassen sich mit ein wenig Übung in den Familienalltag integrieren. Wer als Eltern intuitiv handelt und sich voll und ganz auf seine Kinder einlässt, ist meist schon viel achtsamer, als ihm vielleicht bewusst ist.

Was bedeutet Achtsamkeit?

Achtsam zu leben bedeutet, alle Vorgänge mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu beobachten. Es ist die Kunst im Hier und Jetzt zu leben und den Augenblick voll und ganz wahrzunehmen. In Zeiten des Multi Taskings und der Digitalisierung ist das nicht leicht. Wie oft versuchen wir 1000 Dinge gleichzeitig zu tun oder sind bei dem, was wir gerade tun, nicht so richtig bei der Sache. Während ein vielbeschäftigter Erwachsener oft gar nicht wahrnimmt, dass ihm niemand aufmerksam zuhört, merken dies unsere Kinder sofort. Wie oft hören wir Eltern ein „Mama bzw. Papa, schau doch endlich mal“ oder „Mama bzw. Papa, du hörst ja gar nicht richtig zu?“. Sehr oft entgegnen wir ein genervtes „Gleich“ oder sagen halbherzig „Jaaaa, ich höre dir doch zu“. Doch in Wirklichkeit schenken wir diesem Moment nicht unsere volle Aufmerksamkeit. Wir hören oder schauen nur halb hin, da wir nebenbei noch etwas Wegräumen, Aufschreiben oder in das Smartphone schauen. Wer unachtsam ist, reagiert oft automatisch aus unguten Verhaltensmustern auf seine Kinder. Er klingt genervt, ist fahrig und wird vielleicht laut. Achtsame Menschen hingegen bleiben komplett bei sich. So erkennen sie, welche Reaktion in der jeweiligen Situation wirklich sinnvoll und von Nöten ist. Das führt dazu, dass sie bei der Erziehung der Kinder gelassener bleiben.

Doch was können Eltern konkret tun, um den Familienalltag achtsamer und stressfreier zu gestalten? Eine Möglichkeit ist, sich zunächst mithilfe von Büchern oder Hörbüchern mit dem Thema zu beschäftigen. Eine schöne Auflistung von Erziehungshörbüchern u.a. mit Bezug zum Thema Achtsamkeit gibt es im audible.de Magazin. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, sollte ein Seminar bei einem Achtsamkeitstrainer besuchen. Denn viele Gewohnheiten kann man nicht so einfach ablegen. Ein paar erste Tipps für mehr Achtsamkeit im Familienalltag bekommt ihr jetzt von mir.

10 Tipps für mehr Achtsamkeit im Familienalltag

1.) Auf das Tempo der Kinder einlassen
Unsere Kinder haben sie meist noch, diese intuitive Achtsamkeit und Gelassenheit. Sie ruhen in ihrem Spiel ganz in sich selbst und trotzen ihren Antreibern. Sie gehen in ihrem Tempo, bleiben stehen, wenn sie etwas Interessantes sehen und nehmen die Welt mit all ihren Sinnen wahr. Das können wir auch öfter tun und so den Familienalltag entspannen.

2.) Raus gehen und die Natur beobachten
Raus zu gehen und gemeinsam mit den Kindern die Natur zu beobachten ist eine tolle Möglichkeit, um einen achtsamen Umgang zu trainieren. Sehr meditativ ist es zum Beispiel, mit den Kindern Steine zu befühlen und zu sammeln.

3.) Gemeinsam auf den Tag zurückblicken
Am Abend mit den Kindern den Tag zu reflektieren, hilft die Geschehnisse zu verarbeiten und den Blick auf das Positive zu richten. Sich täglich an die schönen Dinge zu erinnern macht glücklich und stärkt das Selbstvertrauen.

4.) Die kleinen Momente genießen und festhalten
Im Alltag übersieht man oft die kleinen Glücksmomente. Das ist schade. Um glücklich und gelassen zu bleiben, ist es wichtig, den Augenblick zu genießen und die schönen Dinge festzuhalten. Mir gelingt dies, indem ich jeden Tag Fotos von den schönen Momenten mache. So achte ich gleich zu Beginn des Tages viel mehr auf die schönen Augenblicke. Dank der Fotos kann ich mir diese Glücksmomente später leichter wieder ins Gedächtnis rufen. Wichtig dabei ist, dass ich nicht krampfhaft versuche, alles mit der Kamera festzuhalten. Denn dann genieße ich den Augenblick nicht mehr, sondern bin nur noch auf der Suche nach dem perfekten Foto.

5.) Keine „Dauer-Schleife-Kommandos“ erteilen
Wer kennt das nicht? Wir Eltern müssen zur Arbeit und die Kinder ziehen sich einfach nicht an. Irgendwann sind wir genervt und unsere Kommunikation wird einsilbiger. Von „Bitte ziehe dich jetzt an, wir müssen los“ über „Ziehe dich bitte an, jetzt!“ bis hinzu „Anziehen, Jeeetzt! läuft unser fast schon automatisches Programm. Und was bringt dies? Meist nichts. Im nächsten Schritt drohen wir vielleicht und sagen „Wenn du dich jetzt nicht anziehst, darfst du später nicht deinen Freund besuchen!“. Das wirkt manchmal. Doch dauerhaft macht das niemandem Spaß. Viel zielführender ist es, dem Kind die volle Aufmerksamkeit zu schenken und nachzuforschen, warum sich das Kind gerade nicht anziehen will. Vielleicht mag es noch spielen, hat noch nicht genug gefrühstückt oder fürchtet sich vor der Kälte draußen? Eltern, die genau in ihre Kinder hineinhorchen, können angemessener reagieren und kommen schneller und stressfreier los.

6.) Essen mit allen Sinnen
Im Kartoffelbrei matschen und jede einzelne Nudel mit der Hand zerdrücken: Das ist herrlich für Kinder. Auch uns Erwachsenen tut es gut, dem Essen unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken und die Mahlzeit mit allen Sinnen zu genießen. Dabei muss es ja nicht unbedingt das Matschen mit den Händen sein. Alleine schon, das Essen langsam auf der Zunge zergehen zu lassen und den Duft des Essens bewusst einzuatmen, bedeutet Achtsamkeit.

7.) Dankbar sein
Oftmals reden wir darüber, was wir nicht haben. Das färbt auf unsere Kinder ab. Auch sie sehen irgendwann all die Dinge, die sie nicht haben. Dieser Blick auf das Negative macht unglücklich. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was wir alles haben und dankbar dafür sind, haben wir mehr Freude am Leben. Zudem schenken wir dem, was wir haben, mehr Achtsamkeit.

8.) Wider dem Perfektionismus
Das Steben nach Perfektion hintert uns am achtsamen Umgang mit uns und unseren Kindern. Perfektionismus fordert von uns meist eine utopische, übertriebene Leistung. Dabei vergessen wir im Jetzt und Hier zu sein und einfach zu leben. Wer auch mal fünf gerade sein lassen kann, lebt achtsamer.

9.) Vom Multi Tasking verabschieden
Es ist schon lange erwiesen, dass wir  nicht schneller sind, wenn wir viele Dinge gleichzeitig tun. Und dennoch tun wir es immer wieder. Es müssen einfach so viele Dinge erledigt werden, dass es uns schwerfällt, eines nach dem anderen zu tun. Doch ein achtsamer Umgang mit unseren Kindern gelingt nur, wenn wir dem, was wir gerade tun, die volle Aufmerksamkeit schenken.

10.) Digitale-Pause
Das klingt logisch. Doch Hand aufs Herz. Wie oft schaut ihr ins Smartphone, während ihr eure Kinder betreut?

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit audible.de entstanden.

Bilder: Mama im Spagat

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Comments

    • Isa
    • 1. März 2018
    Antworten

    Das sind wirklich tolle Tipps und sie lassen sich leicht integrieren.

    Danke und liebste Grüße
    Isa

      • Nadja
      • 2. März 2018
      Antworten

      Liebe Isa, herzlichen Dank. Schön, dass dir die Tipps weiterhelfen. Vlg, Nadja

  1. Antworten

    Manchmal kann alles so einfach sein. Und die Tipps sind wirklich gut und die sollte wirklich jeder im Alltag umsetzen können. Und die digitale Pause finde ich am Wichtigsten.
    LG Anke

      • Nadja
      • 2. März 2018
      Antworten

      Liebe Anke, vielen lieben Dank für dein Feedback. Oh ja, gerade für uns Bloggerinnen ist die digitale Pause sehr wichtig. Vlg, Nadja

  2. Antworten

    10 einfach Dinge die man sich echt merken und umsetzten sollte

      • Nadja
      • 2. März 2018
      Antworten

      Liebe Sina, danke dir! Vlg, Nadja

  3. Antworten

    Danke für die Tipps! Alleine vor die Tür zu gehen ist so naheliegend und wird im Alltagstrubel gerne mal vergessen. Manchmal sind es die kleinsten Dinge 🙂

    Liebe Grüße

      • Nadja
      • 2. März 2018
      Antworten

      Ja, da stimmt. Die kleinen Glücksmomente übersieht man so leicht im Alltag mit Kindern. Vielen lieben Dank für dein Feedback. Vlg, Nadja

  4. Antworten

    Tolle Tips und so einfach. Wir machen uns das Leben selbst einfach viel zu schwer. Ich merke das an mir, wenn ich den ganzen Tag hin und her hetzte und die wirklich wichtigen, kleinen Dinge und Momente nicht anständig genieße. Ich muss da wieder mehr drauf achten.

      • Nadja
      • 4. März 2018
      Antworten

      Ich muss da auch immer wieder darauf achten. Auch ich vergesse im Alltag oft, was wirklich wichtig ist.

    • Jess
    • 4. März 2018
    Antworten

    Super Anregungen und auch wenn viele Tipps natürlich bekannt sind ist es wichtig, sie immer mal wieder vor Augen geführt zu bekommen  

      • Nadja
      • 4. März 2018
      Antworten

      Ja, du sagst es. Wichtig ist, sich immer mal wieder an die Achtsamkeit zu erinnern. Sonst geht sie im Familienalltag vielleicht schnell unter.

  5. Das Thema Achtsamkeit ist mir auch sehr wichtig und ich versuche schon seit längerem, bewusster im Moment zu leben, was mir teils auch schon gelingt, aber noch ausbaufähig ist. Schöne Tipps!

      • Nadja
      • 7. März 2018
      Antworten

      Das ist toll, dass euch das Thema so wichtig ist. Vielen lieben Dank für dein Feedback.

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